Zen-Impuls der Woche

50. Woche

SCHÖN SCHLICHT, ABER . . .

Es mag einen gewissen Reiz haben, fernöstliche Riten, Roben und Räucherwerk bei der Meditation zu erleben, aber das alles hat Buddha so nicht gewollt. Im Gegenteil, er betonte die Nutzlosigkeit religiöser und ritueller Übungen. Nur äußerliche Erfüllung von Geboten war auch Jesus zuwider. Für den Zen-Weg und die Meditation braucht man nichts Äußeres. Deshalb achten wir darauf, dass die Form nicht zum Selbstzweck wird. Natürlich kann der äußere Rahmen auch „schön schlicht“ sein, aber auf die innere Einstellung kommt es an.

 

49. Woche

WAS WIRKLICH ZÄHLT

Wirst du unruhig, wenn du mal alleine bist? Brauchst du ständig Zerstreuung durch Radio, TV, Smartphone oder PC? Lass dich nicht aus der Ruhe bringen, wenn mal keine Netzverbindung besteht. Denn das, was du an Unterhaltung vermisst, hat sowieso keinen bleibenden Wert. Es ist sinnlos, daran festzuhalten. Es gehört nicht dir. Das bist du nicht. Wenn das Vergängliche und Unwesentliche nicht länger das Zeitlose und Echte in dir verdeckt, kommt das ans Licht, was wirklich zählt: Deine wahre Natur.

 

48. Woche

WARUM SO UNZUFRIEDEN?

Hast du oft das Gefühl, dass das, was du tust oder erreichst, nicht gut genug ist? Ständige Unzufriedenheit kann unser ganzes Dasein vergiften. Heilung für dieses Problem ist aber durchaus möglich: Wir müssen nur erkennen, dass wir das Leben nicht so wahrnehmen, wie es wirklich ist. Wenn es gelingt, unsere selbstbezogene Perspektive abzulegen, brauchen wir weder den Vergleich mit anderen noch unsere eigene Unzulänglichkeit zu fürchten. Dann können wir unser Leben – zwar weniger perfekt, aber glücklicher – zum Wohl der Welt leben.

 

47. Woche

EINE SCHALE, EIN GEWAND

Mein Leben mag traurig erscheinen,
aber auf der Reise durch diese Welt
habe ich mich dem Himmel anvertraut.
In meinem Rucksack drei Pfund Reis;
beim Herd ein Bündel Feuerholz.
Wenn jemand nach den Kennzeichen
von Erleuchtung oder Illusion fragt,
ich kann es nicht sagen –
Wohlstand und Ehre sind bloß Staub.
Wie der Abendregen fällt,
sitze ich in meiner Einsiedelei
und strecke beide Füße aus als Antwort.

Zen-Gedicht von Meister Ryôkan, der vor
rund 200 Jahren als Eremit in Japan lebte.

 

46. Woche

NUR WANDEL OHNE ENDE

Vergänglichkeit ist längst passé. Es gibt nur Wandel – von einer Energieform in die andere. Im Universum geht nichts verloren. Alles ist letztendlich nur Weiterführung. Die Wolke vergeht nicht, sondern verwandelt sich irgendwann in Regen. Aus Regen entsteht die Wasserader und die Fortsetzung der Wasserader ist die Quelle. Aus der Quelle wird ein Bach, dann ein Fluss, der schliesslich ins Meer mündet. Und die Weiterführung des Meeres ist die Wolke. Wo ist da ein Anfang oder Ende? Kein Entstehen, kein Vergehen – nur Wandel ohne Ende. Nichts bleibt, wie es ist.


45. Woche

VOM EGO ZUM WIR

Beruhigt sich der Atem – beruhigt sich der Körper – beruhigt sich der Geist. Erst wenn dein Geist in der Meditation vollkommen ruhig und klar ist und unerschütterliches Vertrauen dich zur Hingabe bringt, wird sich dir das Geheimnis der Stille enthüllen. Wenn du absolut empfänglich bist, wirst du die wortlose Sprache der Leere verstehen. Dann erkennst du, dass der Zen-Weg, die beschwerliche Reise vom Verstand zum Herzen war, von Logik zu Weisheit, von Gier zu Gleichmut – vom Ego zum Wir.

 

44. Woche

OHNE ZWEIFEL KEIN DURCHBRUCH

Wenn man sich entschieden hat, den Zen-Weg zu gehen, wird man von Zeit zu Zeit von Zweifeln heimgesucht. Diese Art Verunsicherung kann auch eine Energiequelle für unsere Praxis sein; denn vor jedem großen Durchbruch herrscht meist ein großer Zweifel. Aber wenn man ständig alles anzweifelt, sich von allem distanziert und eine spirituelle Weiterentwicklung immer wieder hinauszögert, wäre es vielleicht heilsam und inspirierend, endlich mal an seinem Zweifel zu zweifeln.

 

43. Woche

WARUM SO UNGEDULDIG?

Grenzenlose Geduld ist die Voraussetzung, um höchste Erkenntnis und ihre Verwirklichung zu erlangen. Doch wieviel Geduld kann ein Mensch in unserer heutigen Zeit, in der alles immer noch schneller gehen muss, eigentlich erdulden? Auch das ist alles nur eine Frage der Übung. Willenskraft und Ausdauer lassen sich antrainieren und können uns zu mehr Besonnenheit, Standhaftigkeit, Sanftmut und Weisheit verhelfen. So betrachtet, kann ein geduldiger Mensch auf der Suche nach der Wahrheit eigentlich alles erreichen.

 

42. Woche

GELASSENHEIT UND VERTRAUEN

Wer spürt nicht hin und wieder den Wunsch, das eigene Leben von Grund auf spirituell auszurichten. Dafür ist es nie zu spät, aber auch nie zu früh. Wir brauchen den Weg nur bewusst zu gehen, Schritt für Schritt. Aus diesem tiefen Verlangen erwächst die Kraft, unsere Meditation verbindlich zu praktizieren und zur Entfaltung zu bringen. Wenn wir einmal die Sicherheit in uns gefunden haben, dass wir, was auch immer im Leben geschieht, dem Weg und der Praxis treu bleiben, so verleiht uns das Gelassenheit und Vertrauen.

 

41. Woche

LEBE DEIN LEBEN

Wer ständig unzufrieden ist, hat zwei Möglichkeiten das zu ändern: Es gibt ´ne Menge Leute, die dir sagen möchten, wie du dein Leben leben solltest. Aber sei vorsichtig! Guter Rat muss nicht teuer sein. – Oder: Anstatt dir andauernd zu wünschen, woanders zu sein und etwas anderes zu tun, suchst du die Antwort in dir selbst. Doch mach zuerst das, was jetzt erledigt werden muss. Dann setz dich auf dein Kissen und höre auf dein Herz. Alles andere ist überflüssig.

 

 

40. Woche

ÜBUNG MACHT DEN MEISTER

Nur im zeitlosen Augenblick können wir uns jenem intuitiven, stillen Erkennen der Wahrheit nähern. Wenn wir den Geist beruhigt und gesammelt haben, wird uns vieles klarer. Wir durchschauen das Entstehen und Vergehen – und auch, wie wir uns dazu verhalten. Wir finden heraus, was unser Herz verschließt und wie wir es öffnen können. Dieser Weg – die Einsichts-Meditation – ist zwar einfach, aber keineswegs leicht. Doch: Übung macht den Meister!

 

39. Woche

FREI DURCH SANFTE DISZIPLIN

Solange du von Wünschen und Gefühlen beherrscht wirst, fällt es dir schwer, einen klaren Kopf zu bewahren. Eine der großen Kräfte und Stärken des Geistes, die wir als Gegengewicht zu den Begierden nutzen können, ist die Selbsteinschränkung. Wenn du diesen Weg einschlägst, wirst du die enge Beziehung von Selbsteinschränkung und Freiheit erkennen und dich schließlich auf „eine sanfte Art von Disziplin“ selbst befreien.

 

38. Woche

GIB NIEMALS AUF

Möglicherweise hast du im Moment das Gefühl, dass dein Zen keine Fortschritte macht und überhaupt . . .  Gib bloß nicht auf – niemals. Alles, was deinen Weg blockiert, ist vielleicht nur die Idee, stecken zu bleiben. Lass diese Vorstellung los, praktiziere weiter und du wirst sehen, die Hindernisse lösen sich in Luft auf und du kannst ungehindert weitermachen. Meistens folgen auf große Zweifel ebenso große Fortschritte.

 

37. Woche

DAS GEHEIMNIS DES ZAZEN

Zazen ist natürlich und einfach,
wie jede alltägliche Handlung
(essen, trinken, wach sein, schlafen, …).
Ohne Anstrengung. Bewusst. Absichtslos.
Einfach nur sitzen. Einfach nur sein.

von Britta Averbrock

 

36. Woche

SEI DAS MEER

Einatmen, Ausatmen
Ebbe, Flut
Sonne, Mond
Tag, Nacht

Mehr ist es nicht.
Sei die Welle!
Sei das Meer!                       von Britta Averbrock

 

35. Woche

BLEIB AUTHENTISCH

Es ist nicht Ok, wenn du dir Mühe gibst, nett und tugendhaft zu sein, ohne dass du dich wirklich so fühlst. Die Welt hat genug Heuchler. Bleibe authentisch, Zen wird auf dich aufpassen. Folge nur deinem Atem. Beobachte, wie dein Bauch sich hebt und senkt. Zu einfach? Aber das ist das Geheimnis!

 

34. Woche

MACH KLAR SCHIFF

Wenn dein Kopf voller Wünsche und Vorstellungen ist, hast du keinen Durchblick. Zen erscheint dir dann viel zu verwirrend. Aber das ist nicht so., Wir sind es nur nicht gewohnt, mit solcher Einfachheit umzugehen. Also räum deinen Geist auf, mach „klar Schiff“!

 

33. Woche

BRING LEBEN IN DIE BUDE

Wenn dein Heim dein ganzer Stolz ist, dein wichtigster Besitz, lass es nicht zu deinem Gefängnis werden. Stelle dir vor, es wäre nur eine Herberge, in der du zufällig Tag für Tag wohnst und wo sich hin und wieder Freunde und auch Fremde begegnen. Bring Leben in die Bude!