Zen-Impuls der Woche

43. Woche

MACH DIR NICHTS VOR

Beklage dich nicht, wenn „dein Leben“ nicht so verläuft, wie du es gern hättest. Denn es gehört dir nicht. Wir leben in einer kosmischen Ordnung, in der uns überhaupt nichts gehört. Es gibt nichts im Universum, was für sich selbst bestehen könnte. Unser Dasein befindet sich in einem ständigen Prozess gegenseitiger Abhängigkeiten.

Solange du aber alles nur aus der Perspektive deines Egos betrachtest, siehst du die Wirklichkeit verzerrt! Anstatt dich ständig um dich selbst zu drehen, meditiere einmal darüber, wie du in dieser Welt zum Glück und Wohle anderer Wesen tätig werden kannst. Liebe und Mitgefühl werden „dein Leben“ nicht nur erleichtern, sondern auch bereichern.

 

42. Woche

GEISTIGE HYGIENE

Die regelmäßige Meditation ist für die Zen-Praxis sehr wichtig. Dabei kommt es zunächst nicht so sehr auf die Dauer an. Anfangs reichen auch zehn Minuten täglich. Alles Weitere entwickelt sich mit der Zeit. Wichtig ist jedoch, dass diese geistige Hygiene für uns so selbstverständlich wird wie die körperliche. Zum Beispiel: Ohne vorher die Zähne zu putzen, will uns das beste Frühstück nicht schmecken und können wir auch abends nicht so gut einschlafen. Ihr werdet sehen: Mit Meditation wird alles leichter!

 

41. Woche

ZEN-GMBH ODER -SANGHA?

Wozu eine Sangha? Natürlich kann man auch allein meditieren, aber das gemeinsame Üben ist für viele Menschen eine große Hilfe. Weil wir allesamt mehr oder weniger unvollkommen sind, kann sich eine spirituelle Gemeinschaft als ideales Übungsfeld und lebendige Quelle der Orientierung erweisen. Allerdings kann sie für das Individuum auch zur echten Herausforderung werden, wenn das eigene Selbstverständnis ins Wanken gerät.

Die alles entscheidende Frage ist, streben wir nach Eigenständigkeit oder haben wir eine gemeinsame Vision? Mit anderen Worten: Suchen wir eine „Gemeinschaft mit beschränkter Hingabe“- also einen Meditationskreis, an dem jede/r unverbindlich teilnehmen kann? Oder erkennen wir die Sangha als Möglichkeit, unsere schwierigen Eigenschaften umwandeln zu lernen und unsere förderlichen Qualitäten zum Wohle anderer in die Gemeinschaft einzubringen?

 

40. Woche

ZERBRICH DIR NICHT DEN KOPF

Wenn wir in tiefe Meditation versinken, kann das zu allen möglichen Arten von Erscheinungen führen. Außergewöhnliche Szenarien und Angstzustände sind dann keine seltenen Phänomene. Durchaus möglich, dass wir uns als andere Wesen in anderen Körpern, anderen Zeiten und Bereichen erleben. Wir können auf dem Sitzkissen auch Raubtieren, Engeln, Göttern und Dämonen begegnen, Hitzewallungen und Kältegefühle erfahren.

Dabei handelt es sich jedoch nicht um Gefühle der Alltagsebene, sondern um das Öffnen des gesamten Emotionskörpers. Man begegnet dem höchsten Entzücken und der tiefsten Dunkelheit der Einsamkeit, und jedes dieser Gefühle, die unser ganzes Bewusstsein ausfüllen, scheint real. Was auch immer in deinem Geist vorgehen mag, es spielt keine Rolle. Sitz einfach weiter im absoluten Vertrauen auf Zazen, ohne dir darüber den Kopf zu zerbrechen. Wenn du nicht anhaftest, werden diese Prozesse, die beim Lösen von physischen Blockaden u.a. als Visionen oder Reflexe auftreten können, bald wieder vergehen.

 

39. Woche

WER WIR WIRKLICH SIND

Es kann einen Schock verursachen, nach innen zu blicken und zu erkennen, wie viele Sehnsüchte und Wünsche wir haben. Vielleicht tauchen daraufhin ernsthafte Zweifel in uns auf, ob es überhaupt möglich ist, jemals vom Leiden befreit zu werden. Die wesentliche Ursache für unser Leiden ist Unwissenheit und Ignoranz – wir betrachten uns selbst als abgetrennt und unvollständig. Diese Verblendung führt zu Begehren und Anhaftung.

Der Zweck unserer Meditations-Praxis ist es, zu entspannen, uns dem natürlichen Leben hinzugeben und loszulassen, d.h. sich von Verlangen und Ablehnung zu befreien. Am Anfang wird das stille Sitzen ganz sicher weder natürlich noch entspannend sein. Aber wenn wir durch regelmäßiges Üben wirklich mühelos meditieren können, werden wir unsere wahre Natur in allem, was wir tun, erkennen – und erfahren, wer wir wirklich sind.

 

38. Woche

INNERE MEISTERSCHAFT

Solange wir keine innere Ruhe finden, können wir kein harmonisches Leben führen. Wenn es uns durch Meditation und Achtsamkeitspraxis gelingt, die Ursachen der Unruhe zu erkennen und zu beseitigen, werden auch Menschen in unserem Umfeld davon profitieren.

Aber es macht keinen Sinn, sich selbst unter Druck zu setzen. Deshalb sollten wir ganz behutsam vorgehen und in unserem normalen Alltag zunächst einmal darauf achten, wie wir mit uns und anderen umgehen. So können wir schon bald erste Einsichten gewinnen und Fehlverhalten abstellen.

Allein der Vorsatz, über die Bedeutung unserer Existenz ernsthaft nachzudenken und das Beste aus unserem Leben zu machen, ist ein wichtiger Schritt zur inneren Meisterschaft. Doch dabei darf es keinen Stillstand geben. Wir müssen jeden Tag neu damit anfangen.


37. Woche

SEHNSUCHT NACH KLARHEIT

Die meisten Leute glauben, dass ihre Welt in Ordnung sei. Doch wenn wir zu uns selbst einmal ganz ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass unter der Oberfläche eine innere Unruhe und Unzufriedenheit gärt.

Hier liegen im Unbewussten – lange bevor sie ans Tageslicht treten – die Ursachen für unsere äußeren Probleme, mit denen wir uns ständig herumschlagen. Bei manchen Menschen allerdings entspringt aus dieser inneren Unruhe auch eine Sehnsucht nach höchster Klarheit. Und sie beginnen mit der Suche nach dem Sinn des Lebens.

Das bedeutet, sich von allen Wünschen und Hoffnungen zu verabschieden und dem wahren Leben hinzugeben, das sich in jedem Augenblick durch und in uns verwirklicht. Dafür brauchst du gar nichts zu machen. Wenn du einfach in voller Achtsamkeit im Hier und Jetzt lebst, wirst du dir und den anderen nichts mehr vormachen und stattdessen zu deinem eigentlichen Selbst zurückkehren.
Der Zen-Weg führt zwar nicht ins Paradies, aber regelmäßiges Meditieren bringt dich deiner wahren Natur jeden Tag ein Stück näher.


36. Woche

FAKE NEWS

Wenn jemand Lügen über dich verbreitet, kann das dich nicht kalt lassen. Das ist doch völlig normal und schreit nach Vergeltung. Aber bevor du gleich in die Luft gehst, denke einmal in Ruhe darüber nach, ob das Gerücht nicht auch als Warnung zu verstehen ist.
Ja, wenn du ehrlich bist, hätte dir die Unterstellung vielleicht wirklich passieren können. Wie gut, dass du damals davor zurückgeschreckt bis. – Oder hast du dich nicht auch schon mal an Vermutungen und Behauptungen beteiligt? So besehen, können dir Fake News auch wertvolle Hinweise für dein Leben geben.

 

35. Woche

MEHR SCHEIN ALS SEIN

In der materiellen Welt geht es stets um Geld, Karriere, Besitz und Vergnügen. So verbringen manche Menschen ihr ganzes Leben damit, immer mehr anzuhäufen und allen möglichen Ködern nachzulaufen. Denn sie interessieren sich für mehr Schein als Sein.
Wenn du also einmal bewundert wirst, solltest du das nicht ernst nehmen. Denn die, die dich bewundern, verstehen nichts von deiner Welt. Sie bewundern dich höchstens als Lebenskünstler. Die Praxis des Zen-Weges sollte unauffällig und bescheiden sein. Da gibt es nichts zu bewundern.

 

34. Woche

JEDER TAG – EIN GUTER TAG

Im Zen heißt es: Jeder Tag ist ein guter Tag. Da stellt sich die Frage: Was braucht man oder muss man tun, damit man jeden Tag wirklich genießen kann? Komm zur Ruhe und lauf nicht ständig irgendwelchen Ideen nach! Wenn es dir eines Tages gelingt, in der Meditation einmal ganz loszulassen, d.h. „auf dem Kissen zu sterben“, wirst du feststellen, dass alle deine Bedenken und Sorgen gar nichts bringen. Denn du musst eigentlich nichts Besonderes tun oder besitzen, um glücklich zu sein, sondern nur (ab heute!) jedem neuen Tag mit großer Achtsamkeit begegnen, so als wäre es einer deiner letzten. Dann wird jeder Tag ein guter Tag.

 

33. Woche

MEHR GELASSENHEIT PRAKTIZIEREN

Wer möchte nicht unbeschwert durchs Leben gehen und mit Gleichmut den Geschehnissen der Welt begegnen. Das Geheimnis der Gelassenheit erschließt sich allerdings nicht durch Bücher und Seminare. Gehe in dich und höre auf dein Herz: Sei mutig und tu einfach, was du tun musst, und lass sein, wovon du nicht überzeugt bist. Wichtig ist, dass du dein Leben – fest verankert in dir selbst – lebst. Vor allem mach dich frei von den Ansichten und Erwartungen der anderen. Es ist mehr wert, stets respektiert zu werden, als gelegentlich bewundert.

 

32. Woche

ALLES EINE FRAGE DER PERSPEKTIVE

Wenn dich in der Meditation Gedanken besetzen und forttragen wollen, mach dir diese Situation bewusst. Bist du davon überzeugt, dass alles Gedachte unmittelbar zu dir gehört? Identifizierst du dich damit, dann entsteht durch die Mixtur von Gedanken, Emotionen und Gefühlen ein trügerisches Selbstbild.
Wenn du aber die Perspektive eines neutralen Beobachters einnimmst, erkennst du, wie die Gedanken entstehen und normalerweise auch gleich wieder vergehen. Das ist alles. – Es kommt also auf die richtige Perspektive an. Du hast die Wahl zwischen Identifikation oder Befreiung.

 

31. W0che

DIE PRAXIS DES ERDENS

Wenn wir uns bei der Meditation zunächst immer wieder mental tief in der Erde verankern und uns der Einfachheit und Demut unseres irdischen Daseins bewusst werden, kommen wir der Wirklichkeit näher. Wir erinnern uns, dass wir alle Elemente in uns verkörpern und letztendlich die Erde selbst sind.
Wenn wir die Erde berühren, nehmen wir bewusst direkten Kontakt zu unseren Wurzeln auf und erkennen, dass wir mit all unseren Vorfahren verbunden sind. Wir sind Teil des endlosen Lebensstroms und bilden mit unseren Ahnen zusammen auch alle künftigen Generationen.

 

30. W0che

DER STILLE PUNKT

Indem wir unsere Meditation kultivieren und in Einklang mit den Einsichten leben, die wir dadurch gewonnen haben, werden wir irgendwann fähig sein, dauerhaft einen ruhigen Geist zu bewahren. Die Entwicklung der Konzentration ist wie jede andere Disziplin. Wenn wir Muskeln aufbauen wollen, heben wir Gewichte. Wenn wir Klavier spielen lernen, üben wir solange, bis unsere Finger nur so über die Tasten fliegen. Regelmäßige Wiederholungen bauen unsere Fähigkeiten auf. In der Meditation ist das nicht anders. Daher sollten wir stetig und sanft praktizieren, ohne schnelle Ergebnisse zu erwarten. Sobald wir unseren Geist eines Tages absolut auf einen einzigen Punkt konzentrieren können, verleiht uns das große Kraft – ein ganzes Leben lang.

 

29. Woche

DIE DREI SIEBE

Eines Tages kam ein Bekannter zu Sokrates gelaufen. „Höre, ich muss dir berichten, wie dein Freund . . .“ „Halt ein“ unterbrach ihn der Philosoph. „Hast du das, was du mir sagen willst, durch drei Siebe gesiebt?“ „Drei Siebe? Welche?“ fragte der andere verwundert.
„Ja! Drei Siebe! Das erste ist das Sieb der Wahrheit. Hast du das, was du mir berichten willst, geprüft, ob es auch wahr ist?“ „Nein, ich hörte es erzählen, und . . .““Nun, so hast du sicher mit dem zweiten Sieb, dem Sieb der Güte, geprüft. Ist das, was du mir erzählen willst – wenn es schon nicht wahr ist – wenigstens gut?“ Der andere zögerte. „Nein, das ist es eigentlich nicht. Im Gegenteil . . .“
„Nun“, unterbrach ihn Sokrates. „so wollen wir noch das dritte Sieb nehmen und uns fragen ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so zu erregen scheint.“ „Notwendig gerade nicht . . .“ „Also“, lächelte der Weise, „wenn das, was du mir eben sagen wolltest, weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste weder dich noch mich damit.“

 

28. Woche

HIMMEL UND HÖLLE

Ein japanischer Samurai forderte einst einen Zen-Meister auf, ihm Himmel und Hölle zu erklären. Doch der Weise erwiderte: „Du bist nichts als ein Flegel, mit deinesgleichen verschwende ich nicht meine Zeit.“ In seiner Ehre gekränkt, zog der Krieger sein Schwert und brüllte: „Für deine Frechheit sollst du sterben!“ „Das ist“, gab ihm der Meister gelassen zurück, „die Hölle.“ – Verblüfft von dieser einfachen Weisheit über die Wut, beruhigte sich der Samurai. Er steckte das Schwert zurück und dankte dem Weisen mit einer tiefen Verbeugung für die Einsicht. „Und das“, sagte der Meister, „ist der Himmel.“

 

27. Woche

HAST DU MAL ZEIT?

Viele von uns haben hohe Ansprüche, aber eine niedrige Toleranz, weite Urlaubsziele, aber enge Ansichten. Wir verbrauchen mehr; aber haben weniger Freude, haben mehr Medizin, aber weniger Menschlichkeit. Wir haben den Weltraum erobert, aber nicht den Raum in uns. – Wenn wir den heutigen Tag dazu nutzen, einmal alles auf den Prüfstand zu stellen, wie unser Leben von dieser bedingten Welt beeinflusst wird, werden wir vielleicht erkennen, was wir ändern können, z.B. durch weniger Verlangen, weniger Ablenkung, weniger Entfremdung, weniger Gegeneinander. Jeder Moment des Lebens ist Übung. Wie wäre es mit mehr Achtsamkeitspraxis in Entschleunigung, Stille und Gelassenheit? Lasst es uns tun, am besten gleich!

 

26. Woche

GEH DEINEN WEG!

Es gibt so viele Wege wie Menschen. Manche sind steinig und voller Hindernisse, andere vielversprechend und enden als Sackgasse und wieder andere sind zwar mühsam aber durchaus lohnenswert. Wenn wir reifer werden, erkennen wir, dass unser Leben selbst der ultimative Weg ist. Je ehrlicher wir uns zu sein trauen, desto klarer wird die Richtung. – Wir müssen uns entscheiden, entweder dankbar zu sein oder uns dauernd zu beschweren, unsere leeren Hände oder geballten Fäuste zu ehren, der Wahrheit zu dienen oder der Illusion. Mit wachsendem Vertrauen gehst du deinen Weg. Nach und nach erkennst du, dass alles, was du wahrnimmst, eine Täuschung ist.

 

25. Woche

DER WEG NACH INNEN

Das Atmen ist die einzige Körperfunktion, die sowohl autonom als auch absichtlich gesteuert sein kann. Und daher eignet sich der Atem besonders gut als Objekt der Achtsamkeit. Denn wenn wir nämlich den Wunsch, ihn zu kontrollieren, gänzlich aufgeben können, werden wir in seinen rhythmischen Bewegungen Zeuge jener Freiheit, die in der Natur der Wirklichkeit liegt. Versuche es einmal selbst: Gib dich in der Meditation einfach dem natürlichen Atemprozess hin, bis du ihn total vergessen hast: Irgendwann, wenn Atmung und Geist im Einklang sind, geschieht es plötzlich, dass du „es“ atmen fühlst und deutlich Vertrauen ins Leben verspürst.

 

24. Woche

DAS GEHEIMNIS DER STILLE

Im Allgemeinen neigen wir dazu zu denken, dass Stille die Abwesenheit von Geräuschen ist. Aber was hörst du wirklich, wenn keine Geräusche da sind? Du hörst vielleicht deinen Atem oder Herzschlag – subtile Töne, die du normalerweise nicht wahrnimmst. Doch wahre Stille wird sich dir enthüllen, wenn du empfänglich wirst und wenn der Geist zu Ruhe gebracht ist. Wenn unerschütterliches Vertrauen dich zur Hingabe bringt, wirst du die Sprache der Stille hören. Das wortlose Geheimnis spricht mit dir. Und dann erkennst du, dass der mühsame Weg, den du gegangen bist, die Reise vom Verstand zum Herzen war, von Unwissenheit zu Weisheit, von Kampf zu Frieden – vom Ich zum Wir.

 

23. Woche

ALLES EINE FRAGE DES VERTRAUENS

Die Natur erwacht zu neuem Leben und die Welt folgt ihrem Rhythmus – nur die Menschen befinden sich derzeit im Ausnahmezustand. Für viele überwiegen die Gefühle von Unsicherheit und Angst anstelle von Hoffnung und Gelassenheit. Doch wie finden wir wieder zurück zur Zuversicht? Wir brauchen Vertrauen wie die Luft zum Atmen – und zwar alle drei Arten des Vertrauens: in uns, in andere und ins Leben selbst. D.h. neben einem gesunden Selbstvertrauen brauchen wir auch das Vertrauen zu Menschen, die Ja zum Leben sagen, uns Mut machen können, wenn wir wehleidig sind, und uns ernüchtern, wenn wir uns vorschnell an „klugen“ Einsichten festhalten wollen. Und schließlich finden wir durch die meditative Praxis das bedingungslose Vertrauen ins Leben, das uns trägt, was immer auch geschieht.

 

22. Woche

WUNSCHLOS GLÜCKLICH?

Wie viele Menschen essen, wenn sie gar nicht wirklich hungrig sind. Oft befriedigen wir unseren „kleinen Hunger“, wenn wir müde, deprimiert und nervös sind oder es uns an Gesellschaft mangelt. Unsere Bedürfnisse und Wünsche sind so miteinander vermischt, dass es uns schwerfällt, überhaupt zu erkennen, wann wir wirklich Hunger haben. Mit wenig zufrieden zu sein bedeutet, wirkliche Bedürfnisse zu erkennen und zu befriedigen, ohne ihnen anzuhaften oder mehr haben zu wollen. Natürlich brauchen wir ein bestimmtes Maß an Nahrung, Bewegung, Schlaf, Sonne und menschlicher Wärme, aber viele Wünsche haben gar nichts mit unseren wahren Bedürfnissen zu tun.

 

21. Woche

NUR UNSERE WAHRE NATUR

In der Meditation können wir manchmal tiefe Bewusstseinszustände erlangen, in denen das Ego aufhört zu existieren. Dieses „illusorische Ich“ löst sich in der meditativen Versenkung einfach auf. Unser Geist aber ist immer noch da, hellwach und vollkommen klar. Und wir erkennen, dass da nichts ist außer reines Bewusstsein, das sich seiner selbst gewahr wird. So können wir uns davon überzeugen, dass im gegenwärtigen Nur-Sein nichts von einem Ego-Gefühl zu spüren ist. Damit brauchen wir auch nicht mehr an den Gefühlen und Stimmungen, dem Wollen, Müssen, Sollen und all den Gedanken anzuhaften, die das Ego alltäglich produziert. Und dennoch ist da etwas Geheimnisvolles tief in uns allen: Unsere wahre Natur.

 

20. Woche

DIE WAHRE STILLE DES GEISTES

Wer Gelegenheit hat, einmal draußen in der Natur zu meditieren, kann Klänge wahrnehmen, die er bis dahin kaum bemerkt hat, wie etwa das Seufzen des Windes im Schilf, das Knarren der Bäume, das Gurgeln des Baches oder das feinste Zirpen winziger Wesen. All das wird mit neuen Ohren gehört und erscheint wie ein Nachhall von Sphärenmusik.

Wenn wir uns mit vollkommener Achtsamkeit diesen Bildern und Klängen hingeben, werden sich alle kleinlichen Alltagssorgen auflösen und die Wellen des Denkens glätten. Mit der Zeit werden auch die Schönheiten der Natur aus dem Bewusstsein verschwinden, bis nichts mehr übrig bleibt als leere Weite. Diese helle Klarheit ist die wahre Stille des Geistes.

 

19. Woche

ZEIT FÜR NÄCHSTENLIEBE

Wer sich ständig benachteiligt oder bedroht fühlt, hat keine Zeit für Mitgefühl und Nächstenliebe, weil er seine ganze Achtsamkeit auf die Abwehr aller möglichen Gefahren richtet. Wenn man jedoch die Ursache dafür in seinem illusorischen Ich erkennt, hat man die Chance aus dem Kreislauf der Ängste und Aggressionen auszubrechen. Denn dann wäre man bereit, das, was egoistische Personen nur für sich selbst tun, gern auch für andere zu tun. – Ein hoffnungsvolles Beispiel: Wenn heute immer mehr Menschen freiwillig Schutzmasken tragen, um andere zu schützen, dann tun sie das vielleicht auch aus Nächstenliebe.

 

18. Woche

NATÜRLICH ABER HART

Naturkatastrophen wie Waldbrände, Überschwemmungen und Orkane sind für die meisten von uns furchtbar und unverständlich, aber für unsere Erde ebenso nötig wie warmer Sonnenschein, Frühlingsregen und frische Brisen. Schöpfung und Zerstörung sind zwei Seiten derselben Medaille. Ein Jahreszyklus umfasst Entstehen, Wachstum, Vergehen und Transformation. Alle Jahreszeiten sind einmalig wunderbar, keine ist besser oder schlechter als die andere.

Enge Verbundenheit mit der Natur führt dazu, ihre scheinbare Grausamkeit ebenso zu schätzen wie ihre liebende Güte, und damit zu einem besseren Verständnis des kosmischen Plans. Wer durch tiefe Versenkung zu den Geheimnissen des Seins vordringt, kann in jeder Veränderung eine vollkommene Manifestation des universellen Wirkens erkennen.

In Krisenzeiten wie heute tut es besonders gut, durch Felder, Wälder und Landschaften zu streifen und hierüber nachzusinnen – mit Offenheit und Toleranz für alles, was geschehen mag: Denn das hilft uns, einen Geisteszustand voller Gelassenheit und Demut zu entwickeln, für den wir sehr dankbar sein können, wenn wir es in unserem Leben einmal selbst mit Rückschlägen zu tun bekommen.

 

17. Woche

IM EINKLANG MIT DER NATUR

Die Natur ist perfekt und lehrt uns, das Richtige zu tun, d.h. nach ihren Gesetzen zu leben. In der Meditation spüren wir die Verbundenheit mit der Natur, indem wir uns auf den gegenwärtigen Augenblick konzentrieren. Doch das ist nicht einfach, denn unser Denken dreht sich ständig um Dinge, die längst vergangen oder noch gar nicht geschehen sind. – Sitzmeditation dient vor allem dazu, seinen Geist von überflüssigen Gedanken, Sorgen und Wünsche zu befreien. Das Richtige zu tun bedeutet auch, unser Sein mit unseren Taten zu vereinen: Reden ist Zen, Gehen ist Zen. Und seine Schuhe gründlich zu pflegen, ist natürlich ebenfalls eine Form der Zen-Meditation – genauso wie, nach Erkenntnis zu streben.

 

16. Woche

DER WEG INS NIRGENDWO

Für viele ist es unendlich enttäuschend, nach Jahren der Übung feststellen zu müssen, dass sie der Erleuchtung keinen Schritt nähergekommen sind. Diese Erfahrung kann jedoch zur großen Befreiung führen. Denn rückblickend wirst du erkennen, wie verblendet du warst – voller Illusionen im Dualismus verstrickt, vollkommen ichbezogen und kleingeistig. Was wir für die Wirklichkeit gehalten haben, ist es tatsächlich nicht. Wir dachten Wissen und Verstehen ist der Zen-Weg. Aber das Verblüffende ist, einfach Sitzen und Nichtstun hat unseren Geist befreit. Die simple Wahrheit ist:  Es gibt keinen Pfad zur Erleuchtung. – Wenn wir im wirklichen Nirgendwo erwacht sind, dann sind wir uns ganz sicher, dass es nichts zu erreichen gab, weil wir immer schon dort waren. Nur hatten wir ES wegen unserer Verblendung weder gespürt noch erahnen können.

 

15. Woche

SPIRITUELLE FREUNDSCHAFT

Eine Sangha ist so etwas wie eine spirituelle Familie, ein lebender Organismus. Das sind Menschen, die zusammen mit anderen einen guten Weg gehen wollen. Eine Gemeinschaft, die sowohl Verbindlichkeit und Geborgenheit bietet als auch Freiraum für Individualität ermöglicht. Auf jeden Fall gibt es dort jemanden, der uns zuhört und wiederaufbaut, wenn uns Schwierigkeiten und Zweifel plagen. Auch eine Sangha besteht aus Leuten mit guten und weniger guten Eigenschaften. Gemeinsam können wir von unseren Stärken profitieren und von den Schwächen lernen. Wer jedoch eine Gemeinschaft der Vollkommenen sucht, wird sehr lange suchen müssen.

 

14. Woche

MUT UND VERTRAUEN

Wahrhaft zu leben bedeutet, mit den Dingen zu sein, wie sie gerade sind. So kann uns jeder Moment unseres Lebens zu mehr Verständnis und Weisheit verhelfen. Dies macht die Meditationspraxis zu einem lebenslangen Prozess des Wachsens und Entdeckens. Wenn wir hinterfragen, was selbst Ausnahmesituationen uns lehren wollen, werden wir ihren Wert erkennen. Das kann beängstigend sein, aber nur durch die bedingungslose Hingabe an die Wirklichkeit können wir vollständig am Mysterium unseres Lebens teilhaben. Diese schwierige Aufgabe anzunehmen, erfordert sehr viel Mut und Vertrauen in den eingeschlagenen Weg.

 

13. Woche

EINSWERDEN MIT DER LEERE

Im Zen geht es nicht um heilige Schriften und äußere Rituale, sondern um die persönliche Erfahrung der Leerheit. Sie war immer da, und sie wird auch noch sein, wenn nichts mehr an das relativ kurze Gastspiel der Menschheit auf der Erde erinnert. Unser irdisches Dasein ist nur eine von zahllosen Möglichkeiten ihrer unendlichen schöpferischen Energie. Um die Leere in ihrer ganzen Kraft und Schönheit zu erleben, muss man eins werden mit ihr. Meditation kann uns dabei helfen.

 

12. Woche

KEINE ANGST VOR DER ANGST

Wir alle erleben gelegentlich Gefühle der Ungewissheit und Angst. In diesen Momenten neigen wir dazu, zu erstarren oder zu flüchten. Unsere mangelnde Bereitschaft, bei den Gefühlen zu bleiben, lässt uns innerlich in Deckung gehen, in der Hoffnung, dass die Angst verschwindet. Oder wir kämpfen gegen sie an, um uns nicht machtlos zu fühlen. Wieviel einfacher wäre es, diese Gefühle ohne Kampf und Widerstand zuzulassen. Wenn wir den Mut haben hinzuschauen, lockert sich unsere Panzerung und wir können ein wenig freier atmen.

 

11. Woche

VOM ICH BEFREIT

Wenn wir uns nicht mehr von der Illusion des Dualismus täuschen lassen, erkennen wir die ursprüngliche Einheit von Subjekt und Objekt, von Körper und Geist. Und wenn wir uns weder mit Dingen noch Gedanken, Emotionen usw. identifizieren, können wir die irrige Vorstellung von einem isolierten Ich-Gefühl überwinden und frei und ohne Angst durchs Leben gehen. Auch Albert Einstein hatte erkannt: „Der wahre Wert eines Menschen lässt sich daran messen, wie weit er sich von seinem Ich befreit hat“.

Im normalen Alltag müssen wir natürlich vom Ich reden, wenn wir uns miteinander verständigen wollen, – allerdings stets im Bewusstsein einer selbstlosen Perspektive.

 

10. Woche

DIE PERSPEKTIVE VERÄNDERN

Beim Meditieren machen wir immer wieder die Erfahrung, dass wir uns nicht konzentrieren können. Auch beim besten Willen nicht. Im Gegenteil! Je mehr wir uns anstrengen und kämpfen, desto frustrierender ist das Ergebnis. In solch einer verfahrenen Situation kann ein Wechsel der Perspektive mit einem Mantra sehr hilfreich sein, wie z.B.: „Möge ich die Kraft haben, das zu verändern, was ich ändern kann, die Geduld, zu akzeptieren, was ich nicht ändern kann, und die Weisheit, den Unterschied zwischen beidem zu erkennen. Möge ich Gleichmut und Frieden finden.“

 

09. Woche

MEDITATION MACHT FREI

Meditation kann dich von deinen Gedanken an Vergangenheit und Zukunft befreien. In dieser friedlichen Stille, in der auch die Zeit stillsteht, spürst du absolute „Geistesgegenwart“. Wenn du dann auch noch dein Beobachten und Bewerten aufgibst und die Realität um dich herum vergisst, wirst du vollkommene Freude und Liebe erleben. – Und was passiert, wenn du wieder in den Alltag zurückkehrst? Vergiss auch diesen Gedanken und sieh was geschieht! Vielleicht spürst du einen geistigen Wandel, der dir zu neuen Erkenntnissen und mehr Lebensfreude verhilft.

 

08. Woche

ETHIK GEHÖRT ZUM ZEN

Spirituelle Praxis und ethisches Verhalten sind grundlegende Voraussetzungen für unsere Weiterentwicklung. Beides ist notwendig, um eine Balance zu finden zwischen spirituellen Werten auf der einen und dem modernen Leben auf der anderen Seite. Die Motive für ethisches Verhalten können wir aus der kosmischen Ordnung, aus der gesellschaftlichen Notwendigkeit, aus der Liebe zu allem Lebendigen, zum Leben überhaupt und aus der Einsicht gewinnen, dass alles mit allem zusammenhängt.

 

07. Woche

 

06. Woche

LEIDEN ALLEIN BRINGT NICHTS

Um seine Begierden zu bekämpfen und endlich erleuchtet zu werden, hat ein Mönch im Laufe seines Lebens auf alle Vergnügungen verzichtet. Selbst das Zölibat und regelmäßiges Kasteien sowie wochenlanges Fasten haben nichts gebracht. Jetzt am Ende seiner Tage suchte er ganz verzweifelt einen Einsiedler auf und klagte: „Ich habe alles getan, was von mir verlangt wurde, jede Gier, jede Freude, jedes Verlangen aufgegeben, aber die Erleuchtung nicht erreicht. Was kann ich jetzt noch tun?“ Der Weise erwiderte: „Gib endlich dein Leiden auf!“

 

05. Woche

LEBEN OHNE ZU „KLEBEN“

Überzogene Wünsche und Begierden führen fast immer zu Kummer und Sorgen. Begehren muss aber nicht die Quelle für menschliches Leid sein. Im Gegenteil: Es kann auch die Ursache für Glück und Zufriedenheit sein. Wo wären wir heute ohne Forscherdrang und Entdeckergeist, ohne Streben nach Eigentum und Sicherheit? Begehren und Sehnen sind ganz natürliche menschliche Bedürfnisse und gehören zum Leben wie Hunger und Durst. – Nicht besitzen wollen, hat in Asien eine andere Bedeutung als bei uns. Es heißt nicht, auf alles zu verzichten, sondern sich frei zu machen von der Idee, dass man überhaupt etwas real besitzen kann. Mit anderen Worten: Begehren, ohne anzuhaften, macht frei!

 

04. Woche

ZUM SCHWEIGEN BRINGEN

Sobald wir die Tätigkeit dieses rastlosen Intellektes zum Schweigen bringen können, geben wir dem intuitiven Bewusstsein, dem reinen, allverbundenen Geiste in uns, Gelegenheit, sich zu manifestieren.  –  Lama Anagarika Govinda

 

03. Woche

ES IST HÖCHSTE ZEIT!

Nichts kehrt sich in sein Gegenteil, ehe nicht das Äußerste erreicht ist, prophezeit eine chinesische Weisheit. Das würde bedeuten, dass die drohende Klimakatastrophe kaum noch zu stoppen ist. Dabei fehlt es durchaus nicht an warnenden Expertisen, sondern liegt vor allem am politischen Willen sowie am Egoismus großer Teile der Gesellschaft. Es ist höchste Zeit, die Abhängigkeit des Menschen von Umwelt und Natur zu erkennen, um den ökologischen Kollaps der Erde durch ambitionierte Gegenmaßnahmen zu verhindern.

 

02. Woche

SIND WIR NOCH ZU RETTEN?

Armut, Hunger, Gewalt und Grausamkeit auf der einen Seite. Und gleichzeitig die Gier nach Macht, Reichtum, Sicherheit und Sinneslust auf der anderen. Wenn man sich dann unsere Gesellschaft vorstellt mit ihrem Überfluss, ihrer Luxuswerbung und dem Verharmlosen von Klimakrise und Flüchtlingselend, muss auch dem Letzten klar werden, dass wir uns fundamental in die falsche Richtung bewegen. Da fallen einem nur noch die sarkastischen Worte ein: „Es gibt kein größeres Leid als das, was sich der Mensch selbst andeit.“ Sind wir noch zu retten?

 

53. Woche 2019 / 01. Woche 2020

ACHTSAM DURCH DEN ALLTAG

Vielleicht trinkst du täglich Tee zum Frühstück. Aber eines Morgens ist alles anders. Du schenkst dir Tee ein, führst die Schale zum Mund und plötzlich wird dir klar: Noch nie hat der Tee so intensiv geduftet und der erste Schluck so köstlich geschmeckt. Hellwach spürst du, wie der Tee in deinem Mund zu einem Teil von dir wird. So bewusst hast du das Teetrinken bisher niemals wahrgenommen. Durch dein achtsames Tun verschwindet die Außenwelt und öffnet sich das innere Bewusstsein für eine solche Erfahrung. Indem wir Achtsamkeit im Alltag praktizieren, erleben wir die Wirklichkeit mit allen Sinnen.

 

52. Woche

KOMM IN STILLE ZU DIR

Voller Leben, voller Bewusstsein, voll von einer unbeschreiblichen Sensibilität bist du zur Welt gekommen. Schau mal einem kleinen Kind in die Augen und nimm diese Frische wahr. All das wird im Lauf des Lebens bei den meisten Menschen von einer falschen Persönlichkeit zugedeckt. Wenn du das wieder loswerden möchtest, was dein wahres Wesen verschleiert, brauchst du nur in Stille zu dir zu kommen. Durch Meditation wirst du dann allmählich eine echte Lebendigkeit und geistige Gesundheit verspüren, die wieder aufblüht und Früchte trägt, weil sie in dir wurzelt.

 

51. Woche

EHRGEIZ MACHT BLIND

Will ein Bogenschütze einen Preis gewinnen, wird er unruhig. Schießt er gar um einen Goldpokal, trübt sich sein Blick und er gerät außer Fassung. Sein Können ist ihm nicht verloren gegangen, doch der Ehrgeiz macht ihn blind. Nicht das Ziel selbst bereitet Probleme, sondern der Grad der Anhaftung, mit der es verfolgt wird. Erst wenn der Bogenschütze schießt, ohne an den Erfolg zu denken, kann er seine ganze Kunst entfalten, hat der chinesische Philosoph Tranxu erkannt.

 

50. Woche

SCHÖN SCHLICHT, ABER . . .

Es mag einen gewissen Reiz haben, fernöstliche Riten, Roben und Räucherwerk bei der Meditation zu erleben, aber das alles hat Buddha so nicht gewollt. Im Gegenteil, er betonte die Nutzlosigkeit religiöser und ritueller Übungen. Nur äußerliche Erfüllung von Geboten war auch Jesus zuwider. Für den Zen-Weg und die Meditation braucht man nichts Äußeres. Deshalb achten wir darauf, dass die Form nicht zum Selbstzweck wird. Natürlich kann der äußere Rahmen auch „schön schlicht“ sein, aber auf die innere Einstellung kommt es an.

 

49. Woche

WAS WIRKLICH ZÄHLT

Wirst du unruhig, wenn du mal alleine bist? Brauchst du ständig Zerstreuung durch Radio, TV, Smartphone oder PC? Lass dich nicht aus der Ruhe bringen, wenn mal keine Netzverbindung besteht. Denn das, was du an Unterhaltung vermisst, hat sowieso keinen bleibenden Wert. Es ist sinnlos, daran festzuhalten. Es gehört nicht dir. Das bist du nicht. Wenn das Vergängliche und Unwesentliche nicht länger das Zeitlose und Echte in dir verdeckt, kommt das ans Licht, was wirklich zählt: Deine wahre Natur.

 

48. Woche

WARUM SO UNZUFRIEDEN?

Hast du oft das Gefühl, dass das, was du tust oder erreichst, nicht gut genug ist? Ständige Unzufriedenheit kann unser ganzes Dasein vergiften. Heilung für dieses Problem ist aber durchaus möglich: Wir müssen nur erkennen, dass wir das Leben nicht so wahrnehmen, wie es wirklich ist. Wenn es gelingt, unsere selbstbezogene Perspektive abzulegen, brauchen wir weder den Vergleich mit anderen noch unsere eigene Unzulänglichkeit zu fürchten. Dann können wir unser Leben – zwar weniger perfekt, aber glücklicher – zum Wohl der Welt leben.

 

47. Woche

EINE SCHALE, EIN GEWAND

Mein Leben mag traurig erscheinen,
aber auf der Reise durch diese Welt
habe ich mich dem Himmel anvertraut.
In meinem Rucksack drei Pfund Reis;
beim Herd ein Bündel Feuerholz.
Wenn jemand nach den Kennzeichen
von Erleuchtung oder Illusion fragt,
ich kann es nicht sagen –
Wohlstand und Ehre sind bloß Staub.
Wie der Abendregen fällt,
sitze ich in meiner Einsiedelei
und strecke beide Füße aus als Antwort.

Zen-Gedicht von Meister Ryôkan, der vor
rund 200 Jahren als Eremit in Japan lebte.

 

46. Woche

NUR WANDEL OHNE ENDE

Vergänglichkeit ist längst passé. Es gibt nur Wandel – von einer Energieform in die andere. Im Universum geht nichts verloren. Alles ist letztendlich nur Weiterführung. Die Wolke vergeht nicht, sondern verwandelt sich irgendwann in Regen. Aus Regen entsteht die Wasserader und die Fortsetzung der Wasserader ist die Quelle. Aus der Quelle wird ein Bach, dann ein Fluss, der schliesslich ins Meer mündet. Und die Weiterführung des Meeres ist die Wolke. Wo ist da ein Anfang oder Ende? Kein Entstehen, kein Vergehen – nur Wandel ohne Ende. Nichts bleibt, wie es ist.


45. Woche

VOM EGO ZUM WIR

Beruhigt sich der Atem – beruhigt sich der Körper – beruhigt sich der Geist. Erst wenn dein Geist in der Meditation vollkommen ruhig und klar ist und unerschütterliches Vertrauen dich zur Hingabe bringt, wird sich dir das Geheimnis der Stille enthüllen. Wenn du absolut empfänglich bist, wirst du die wortlose Sprache der Leere verstehen. Dann erkennst du, dass der Zen-Weg, die beschwerliche Reise vom Verstand zum Herzen war, von Logik zu Weisheit, von Gier zu Gleichmut – vom Ego zum Wir.

 

44. Woche

OHNE ZWEIFEL KEIN DURCHBRUCH

Wenn man sich entschieden hat, den Zen-Weg zu gehen, wird man von Zeit zu Zeit von Zweifeln heimgesucht. Diese Art Verunsicherung kann auch eine Energiequelle für unsere Praxis sein; denn vor jedem großen Durchbruch herrscht meist ein großer Zweifel. Aber wenn man ständig alles anzweifelt, sich von allem distanziert und eine spirituelle Weiterentwicklung immer wieder hinauszögert, wäre es vielleicht heilsam und inspirierend, endlich mal an seinem Zweifel zu zweifeln.

 

43. Woche

WARUM SO UNGEDULDIG?

Grenzenlose Geduld ist die Voraussetzung, um höchste Erkenntnis und ihre Verwirklichung zu erlangen. Doch wieviel Geduld kann ein Mensch in unserer heutigen Zeit, in der alles immer noch schneller gehen muss, eigentlich erdulden? Auch das ist alles nur eine Frage der Übung. Willenskraft und Ausdauer lassen sich antrainieren und können uns zu mehr Besonnenheit, Standhaftigkeit, Sanftmut und Weisheit verhelfen. So betrachtet, kann ein geduldiger Mensch auf der Suche nach der Wahrheit eigentlich alles erreichen.

 

42. Woche

GELASSENHEIT UND VERTRAUEN

Wer spürt nicht hin und wieder den Wunsch, das eigene Leben von Grund auf spirituell auszurichten. Dafür ist es nie zu spät, aber auch nie zu früh. Wir brauchen den Weg nur bewusst zu gehen, Schritt für Schritt. Aus diesem tiefen Verlangen erwächst die Kraft, unsere Meditation verbindlich zu praktizieren und zur Entfaltung zu bringen. Wenn wir einmal die Sicherheit in uns gefunden haben, dass wir, was auch immer im Leben geschieht, dem Weg und der Praxis treu bleiben, so verleiht uns das Gelassenheit und Vertrauen.

 

41. Woche

LEBE DEIN LEBEN

Wer ständig unzufrieden ist, hat zwei Möglichkeiten das zu ändern: Es gibt ´ne Menge Leute, die dir sagen möchten, wie du dein Leben leben solltest. Aber sei vorsichtig! Guter Rat muss nicht teuer sein. – Oder: Anstatt dir andauernd zu wünschen, woanders zu sein und etwas anderes zu tun, suchst du die Antwort in dir selbst. Doch mach zuerst das, was jetzt erledigt werden muss. Dann setz dich auf dein Kissen und höre auf dein Herz. Alles andere ist überflüssig.

 

 

40. Woche

ÜBUNG MACHT DEN MEISTER

Nur im zeitlosen Augenblick können wir uns jenem intuitiven, stillen Erkennen der Wahrheit nähern. Wenn wir den Geist beruhigt und gesammelt haben, wird uns vieles klarer. Wir durchschauen das Entstehen und Vergehen – und auch, wie wir uns dazu verhalten. Wir finden heraus, was unser Herz verschließt und wie wir es öffnen können. Dieser Weg – die Einsichts-Meditation – ist zwar einfach, aber keineswegs leicht. Doch: Übung macht den Meister!

 

39. Woche

FREI DURCH SANFTE DISZIPLIN

Solange du von Wünschen und Gefühlen beherrscht wirst, fällt es dir schwer, einen klaren Kopf zu bewahren. Eine der großen Kräfte und Stärken des Geistes, die wir als Gegengewicht zu den Begierden nutzen können, ist die Selbsteinschränkung. Wenn du diesen Weg einschlägst, wirst du die enge Beziehung von Selbsteinschränkung und Freiheit erkennen und dich schließlich auf „eine sanfte Art von Disziplin“ selbst befreien.

 

38. Woche

GIB NIEMALS AUF

Möglicherweise hast du im Moment das Gefühl, dass dein Zen keine Fortschritte macht und überhaupt . . .  Gib bloß nicht auf – niemals. Alles, was deinen Weg blockiert, ist vielleicht nur die Idee, stecken zu bleiben. Lass diese Vorstellung los, praktiziere weiter und du wirst sehen, die Hindernisse lösen sich in Luft auf und du kannst ungehindert weitermachen. Meistens folgen auf große Zweifel ebenso große Fortschritte.

 

37. Woche

DAS GEHEIMNIS DES ZAZEN

Zazen ist natürlich und einfach,
wie jede alltägliche Handlung
(essen, trinken, wach sein, schlafen, …).
Ohne Anstrengung. Bewusst. Absichtslos.
Einfach nur sitzen. Einfach nur sein.

von Britta Averbrock

 

36. Woche

SEI DAS MEER

Einatmen, Ausatmen
Ebbe, Flut
Sonne, Mond
Tag, Nacht

Mehr ist es nicht.
Sei die Welle!
Sei das Meer!                       von Britta Averbrock

 

35. Woche

BLEIB AUTHENTISCH

Es ist nicht Ok, wenn du dir Mühe gibst, nett und tugendhaft zu sein, ohne dass du dich wirklich so fühlst. Die Welt hat genug Heuchler. Bleibe authentisch, Zen wird auf dich aufpassen. Folge nur deinem Atem. Beobachte, wie dein Bauch sich hebt und senkt. Zu einfach? Aber das ist das Geheimnis!

 

34. Woche

MACH KLAR SCHIFF

Wenn dein Kopf voller Wünsche und Vorstellungen ist, hast du keinen Durchblick. Zen erscheint dir dann viel zu verwirrend. Aber das ist nicht so., Wir sind es nur nicht gewohnt, mit solcher Einfachheit umzugehen. Also räum deinen Geist auf, mach „klar Schiff“!

 

33. Woche

BRING LEBEN IN DIE BUDE

Wenn dein Heim dein ganzer Stolz ist, dein wichtigster Besitz, lass es nicht zu deinem Gefängnis werden. Stelle dir vor, es wäre nur eine Herberge, in der du zufällig Tag für Tag wohnst und wo sich hin und wieder Freunde und auch Fremde begegnen. Bring Leben in die Bude!

 

Einfach genügsam

Das Streben nach Macht, Reichtum, Ruhm oder sinnlichem Vergnügen macht das Leben sehr kompliziert und geht fast immer auf Kosten anderer. Frieden finden hat viel mit Einfachheit zu tun. Wenn der Geist zu verworren, zu komplex ist, zu viel Strategie bewältigen muss, haben wir kaum eine Chance für Frieden. Frieden und Liebe sind ganz einfache Dinge. Wir sind immer wieder verblüfft, wenn wir irgendwo auf der Welt einem schlichten Menschen begegnen und sogleich spüren: Hier ist gelebte Liebe. Du bist willkommen, du wirst bewirtet, bekommst ein Bett, es ist alles ganz unkompliziert.

Buddhas Botschaft lautet: Setzt euer Verstehen ins alltägliche Leben um! Lernt, mit offenen Händen zu geben! Seid unkompliziert, richtet euch das Leben so ein, dass ihr nicht viele Kühe braucht, auf die ihr aufpassen müsst! Richtet euch ein Leben ein, das einfach von der Hand geht! Das ist die Botschaft der monastischen Lebensweise: wenig Besitz, aus alten Flicken gefertigte Kleidung, keine Haare, die wir täglich pflegen müssen, keine komplizierten Beziehungen.

Kein Frieden ohne Zufriedenheit

Das Streben nach Macht, Reichtum, Ruhm oder sinnlichem Vergnügen macht das Leben sehr kompliziert und geht fast immer auf Kosten anderer. Frieden finden hat viel mit Einfachheit zu tun. Wenn der Geist zu verworren, zu komplex ist, zu viel Strategie bewältigen muss, haben wir kaum eine Chance für Frieden. Frieden und Liebe sind ganz einfache Dinge. Wir sind immer wieder verblüfft, wenn wir irgendwo auf der Welt einem schlichten Menschen begegnen und sogleich spüren: Hier ist gelebte Liebe. Du bist willkommen, du wirst bewirtet, bekommst ein Bett, es ist alles ganz unkompliziert.

Buddhas Botschaft lautet: Setzt euer Verstehen ins alltägliche Leben um! Lernt, mit offenen Händen zu geben! Seid unkompliziert, richtet euch das Leben so ein, dass ihr nicht viele Kühe braucht, auf die ihr aufpassen müsst! Richtet euch ein Leben ein, das einfach von der Hand geht! Das ist die Botschaft der monastischen Lebensweise: wenig Besitz, aus alten Flicken gefertigte Kleidung, keine Haare, die wir täglich pflegen müssen, keine komplizierten Beziehungen.

Die meisten von uns befinden sich jedoch in komplexeren Lebenssituationen. Wir haben einen fordernden Beruf, der auch sehr interessant sein kann. Wir haben eine Familie oder leben in Partnerschaft mit all ihren Schönheiten und Komplikationen. Wir essen und trinken und brauchen ein Dach über dem Kopf – daran ist ja nichts schlecht. Leidvoll wird es dann, wenn wir krampfhaft versuchen, noch mehr zu erreichen und anzuhäufen oder gar vorwiegend auf Kosten anderer unsere Ansprüche auszuweiten, nicht nur um unsere eigene Existenz zu sichern, sondern um unsere Träume zu verwirklichen.

Leidvoll wird es, wenn wir von unserer Gier und unserer Aversion bestimmt werden. Da fangen all die immensen ethischen Probleme an. Wir sind ständig im Dilemma gefangen, dass wir leben wollen und uns immer auf Kosten anderer Lebensformen erhalten. Die Umsetzung unserer Einsichten beginnt da, wo Ethik nicht bloße Theorie bleibt, sondern zu gelebtem Mitgefühl wird. Die Lösung ist nicht im rein Äußeren, sondern grundsätzlich in unserer innersten Absicht zu finden. Diese Umsetzung ist ein lebenslanger Prozess und nicht selten ein Kampf gegen uralte Gewohnheiten. Wir können immer wieder von neuem schauen: Brauchen wir all das wirklich, wovon wir träumen, um glücklich zu sein.

Überall können wir uns in neue Abhängigkeiten und Kreisläufe verwickeln. Geht es tatsächlich nicht auch etwas einfacher? Wenn wir erst einmal unsere Grundbedürfnisse befriedigen können, brauchen wir nicht ständig neuen Wünschen nachzurennen, sondern könnten uns nun fragen, was denn wirklicher Luxus sei. Als der Buddha das Beispiel mit den Kühen gab, machte er seine Mönche auf die Tatsache aufmerksam, dass eine der Schönheiten des monastischen Lebens darin besteht, Zeit zu haben für die Praxis.

Brauchen wir all das wirklich?

Die meisten von uns befinden sich jedoch in komplexeren Lebenssituationen. Wir haben einen fordernden Beruf, der auch sehr interessant sein kann. Wir haben eine Familie oder leben in Partnerschaft mit all ihren Schönheiten und Komplikationen. Wir essen und trinken und brauchen ein Dach über dem Kopf – daran ist ja nichts schlecht. Leidvoll wird es dann, wenn wir krampfhaft versuchen, noch mehr zu erreichen und anzuhäufen oder gar vorwiegend auf Kosten anderer unsere Ansprüche auszuweiten, nicht nur um unsere eigene Existenz zu sichern, sondern um unsere Träume zu verwirklichen.

Leidvoll wird es, wenn wir von unserer Gier und unserer Aversion bestimmt werden. Da fangen all die immensen ethischen Probleme an. Wir sind ständig im Dilemma gefangen, dass wir leben wollen und uns immer auf Kosten anderer Lebensformen erhalten. Die Umsetzung unserer Einsichten beginnt da, wo Ethik nicht bloße Theorie bleibt, sondern zu gelebtem Mitgefühl wird. Die Lösung ist nicht im rein Äußeren, sondern grundsätzlich in unserer innersten Absicht zu finden. Diese Umsetzung ist ein lebenslanger Prozess und nicht selten ein Kampf gegen uralte Gewohnheiten. Wir können immer wieder von neuem schauen: Brauchen wir all das wirklich, wovon wir träumen, um glücklich zu sein.

Überall können wir uns in neue Abhängigkeiten und Kreisläufe verwickeln. Geht es tatsächlich nicht auch etwas einfacher? Wenn wir erst einmal unsere Grundbedürfnisse befriedigen können, brauchen wir nicht ständig neuen Wünschen nachzurennen, sondern könnten uns nun fragen, was denn wirklicher Luxus sei. Als der Buddha das Beispiel mit den Kühen gab, machte er seine Mönche auf die Tatsache aufmerksam, dass eine der Schönheiten des monastischen Lebens darin besteht, Zeit zu haben für die Praxis.

Zen ist unfassbar

Mit unserer logischen Denkweise ist es vollkommen unmöglich, unser ursprüngliches wahres Wesen zu ergründen. Deshalb halten wir im Zen nichts von abstrakten Erklärungen und mühseligen Debatten. Alle Philosophien sind nur verstandesmäßige Spekulationen. In den Augen der alten Zenmeister waren alle buddhistischen Schriften nur wertloses Papier.

Zen zeichnet sich durch Unabhängigkeit aus und lässt sich nicht durch weitschweifige Erörterungen verstehen. Es ist stets von erfrischender Direktheit, ohne alles übliche Drum und Dran, und somit eine Sache der reinen Erfahrung. Zen will unsere Verhaftungen an Worte und unsere konditionierte Vorstellung von Körper, Geist und Welt zerstören, damit wir aus dem Traum von Geburt und Tod erwachen. Zen ist unfassbar, es erhebt sich über jede Logik des sogenannten gesunden Menschenverstandes und wendet sich unmittelbar an die Intuition des Menschen.

Deshalb bleibt es für denjenigen unverständlich und rätselhaft, der glaubt, Zen ausschließlich mit seinem Verstand erfassen zu können. Aber da wir Menschen in unserem blinden Vertrauen auf unseren Verstand alles mit dem Kopf machen wollen, haben wir uns den Zugang zur Erkenntnis jenseits aller Worte selbst verbaut. Hinter jeder Antwort, die wir mit den Mitteln des unterscheidenden begrifflichen Denkens gefunden haben, erhebt sich eine neue Frage.

Das Unterwegssein ist das Ziel

Und je mehr wir auf das Ziel zugehen, umso mehr entfernen wir uns von ihm. Deshalb hat Zen auch kein Ziel, sondern verfolgt nur eine Richtung: Denn im Zen ist der Weg, das Unterwegssein das Ziel. Auf dem Weg des Erwachens zu unserem wahren Selbst, geht es vor allem darum, dass wir uns von dem verselbständigten, unterscheidenden Denken befreien, dass wie dunkle Wolken unser wahres Wesen verhüllt. Wir könnten unser wahres Wesen sofort in diesem Augenblick erfahren, aber wir können es deshalb nicht, weil unser Bewusstsein nicht im Augenblick verweilen kann, weil unsere Gedanken ständig weiter wandern.

Wir neigen im allgemeinen dazu, scheinbar einleuchtende Fragen zu stellen und uns unwirrbar in diese zu verstricken. Solange wir uns nur auf unseren Verstand verlassen, haben wir keine Möglichkeit diesem Teufelskreis zu entrinnen. Deshalb heißt es im Zen: Lass alles hinter dir, wirf deine vorgefassten Anschauungen fort und erkenne die Dinge so, wie sie sind.

Man sollte wirklich alles hinter sich lassen, selbst die buddhistische Richtung, der man sich zugehörig fühlt. Man braucht für den Zen-Weg und die Meditation nichts Äusseres! Keinen Dojo, keine Buddha-Bilder, keine Räucherstäbchen, kein Sitzkissen, keine Mönchsrobe und keinen kahl geschorenen Kopf – dies ist alles nur Anhaftung und eine Hürde auf dem Weg. Dein Dojo ist genau da, wo Du gerade stehst, und Dein Meditationsplatz ist genau unter Deinen Füssen – lass Dein gesamtes Leben Meditation sein, bei jedem Schritt.

Es mag für Anfänger einen gewissen Reiz haben, seltsame ostasiatische Riten zu erleben, Weihrauch zu riechen und sich vor einer Buddha-Statue zu verbeugen – aber das hat Buddha alles nicht so gewollt und nicht dazu geraten! Buddha wollte keine Religion gründen; im Gegenteil, er betonte die Nutzlosigkeit religiöser und ritueller Übungen.

Vieles ist nur schöner Schein

Rituale, Kleidung, Klanginstrumente, die im Laufe der Geschichte in Zen-Klöstern des Fernen Ostens eingesetzt wurden, spielen heute bei uns im Westen noch eine wichtige Rolle und verdecken oft das Wesentliche. Manche Zen-Meister haben dies schon erkannt und als Dualität und Anhaftung entlarft.

Das, was wir hier bei unseren Meditationsabenden an Riten, Instrumenten und Funktionen übernommen haben, dient hauptsächlich der Orientierung und ist relativ stark reduziert. Aber wir müssen darauf achten, dass die Form nicht zum Selbstzweck wird und wir nicht die Anhaftung daran unterschätzen. Natürlich kann der äußere Rahmen „schön“ sein, vielleicht auch noch ein klein wenig hilfreich, aber die innere Einstellung und das innere Geschehen sind weitaus wichtiger.

Warum eine Sangha?

Wenn wir ernsthaft Meditation üben, merken wir mit der Zeit, dass wir uns auf eine Reise begeben haben, die viel Freude und Zufriedenheit, aber auch allerlei Schwierigkeiten mit sich bringen kann.

Unsere Inspiration unterliegt starken Schwankungen. Wir werden unseren oft sehr hoch gesteckten Idealen nicht gerecht, sehen immer klarer, wie sehr unser Leben durch oftmals wenig hilfreiche Gewohnheiten bestimmt wird. Und mit unserer Fähigkeit uns zu sammeln und dem Wunsch, immer öfter tiefe Einsichten in die Natur der Dinge zu erlangen, klappt es auch nicht so, wie vielleicht anfangs mal erhofft.

Schließlich müssen wir zugeben: Ohne Unterstützung kommen wir auf unserem Weg nicht weiter. Selbstverständlich können wir die von einem spirituellen Lehrer oder Meister erwarten. Doch der ist selten zur Stelle. Und entsprechende Seminare kosten Zeit und Geld.

Beistand kann aber auch in Form von Ratschlägen aus einer Sangha erfolgen. Das ist eine spirituelle Gemeinschaft, die sich im Laufe der Zeit von Menschen gebildet hat, die verbindlich einen spirituellen Weg mit anderen zusammen gehen und die dabei erlebten Freuden und Schwierigkeiten miteinander teilen wollen. Jede Gruppe von Menschen kann als Sangha praktizieren, als eine Gemeinschaft, die entschlossen ist, in Harmonie und Bewusstheit zu leben. Alles, was dafür nötig ist, ist, gemeinsam in Richtung Frieden, Freude und Freiheit zu gehen.

Hier finden wir vielleicht Menschen, die sich in unsere Situation versetzen können und die uns helfen, unsere Meditationspraxis zu verbessern oder die spirituellen Prinzipien in unserem Leben zu üben. Auf jeden Fall gibt es dort jemanden, der uns zuhört und ein wenig emotional unterstützt, der uns hilft, die Quelle unserer Inspiration wieder zu finden oder einen Tipp gibt, wie ein zwischenmenschlicher Konflikt gelöst werden kann.

Auch spirituelle Gemeinschaften bestehen meistens aus ganz normalen Leuten mit guten und weniger guten Eigenschaften. Neben all dem Guten und Inspirierenden begegnet man auch Schwächen, unachtsamem Verhalten und Problemen aller Art – kurz gesagt, dem Leben wie es jeder kennt. Gemeinsam profitieren wir von unseren Stärken und lernen von unseren Schwächen.

Eine Sangha ist durch die Praxis der Achtsamkeit, Konzentration und Einsicht verbunden und eröffnet daher nahezu unerschöpfliche Möglichkeiten, liebevolle Güte und Einfühlungsvermögen zu kultivieren und im Umgang mit anderen zu praktizieren. Eine Sangha ist so etwas wie eine spirituelle Familie, ein lebender Organismus. Sie ist kein Verein, dem man einfach beitreten kann.

Unsere Lotos Sangha ist eine recht ‚bunte’ Gemeinschaft, deren Mitglieder oft auch LehrerInnen in anderen buddhistischen / spirituellen Traditionen hatten oder noch haben. Wir haben keine formelle Leitung, doch einen klaren Ablauf unserer gemeinsamen Achtsamkeitspraxis. Die Meditationsabende beginnen mit einer Tee-Zeremonie, es folgen die Herz-Sutra-Rezitation, ein Vortrag zur Zen-Praxis oder Lebensführung, (geführte) Sitz-, Geh- und Sitzmeditation. Zum Abschluss pflegen wir einen  Gedankenaustausch beim Tee.

Da viele die gemeinsame Praxis insbesondere auch zur Stärkung ihrer individuellen Praxis nutzen, richten sich die Themen, mit denen wir uns befassen, auch sehr nach dem, was uns gerade in unserem Leben beschäftigt – von sehr Persönlichem bis hin zu Ereignissen in unserer Welt.

Unsere Gespräche stellen damit auch eine fortgesetzte Erkundung dessen dar, was es bedeutet, an unserem Platz in dieser Welt ein Leben in Achtsamkeit zu leben – wozu uns die sieben Achtsamkeitsübungen (s. unter Zen-Ethik „Was uns verbindet“) immer wieder eine ethische Richtlinie sind.

Sangha bedeutet auch ein besonderes Kraftfeld. Wir aktivieren diese Sangha-Energie durch das gemeinsame Meditieren, aber auch durch gemeinsame Unternehmungen (Vortragsabende mit gemütlichem Beisammensein, Zen-Wanderungen, Garten-Zen und Tage der Achtsamkeit) und durch gemeinsamen Spaß.

Wichtig für uns alle ist es auch, sich immer wieder folgende Frage zu stellen: „Was kann ich geben?“ Würde man, wie es häufig in unserer Welt geschieht, die Frage „Was kann ich bekommen?“ voranstellen, wären wir weit von einer positiven Entwicklung entfernt.

Die produktive und befreiende Frage nach dem eigenen Einsatz setzt freudvolle Energie frei. Die entspannte, absichtslose Aktivität macht uns zugleich offen und der natürliche Ausgleich von Geben und Nehmen im Geist und der Welt führt immer wieder dazu, dass wir mit Glück und Freude beschenkt werden.

Denn uneigennützige Arbeit für andere führt zum Aufbau sehr guter Eindrücke im eigenen Geist: Es ist das „Verdienst“, von dem Buddha im Zusammenhang mit positiven Handlungen spricht. Zugleich bedeutet es den Aufbau von Weisheit, weil wir in der völligen Konzentration auf die Arbeit und dem Verständnis, dass wir von den anderen letztlich nicht getrennt sind, Raum immer weniger als Trennung und immer mehr als etwas Verbindendes begreifen.

 

 

Die große Erfahrung

Die Wurzeln der Meditation reichen 2.500 Jahre zurück bis zum historischen Buddha in Indien. Sein Leben zeigt als ältestes Vorbild der Menschheitsgeschichte, wie man aus eigener Kraft zu Erleuchtung und Vollkommenheit gelangen kann. Buddha war auch der erste, der die ursprüngliche Meditationsform aus ihrer asketischen Einengung der Weltabkehr befreite und in eine praktische Übung für jeden zur Bewältigung seiner Lebensaufgabe umwandelte.

Die Meditation dient zur Vorbereitung dieser „Großen Erfahrung“, jener mystischen Wirklichkeit von Erleuchtung bzw. Wesensschau, die gemeinhin als Ziel der Meditationsübung angesehen wird. Ein solches Ziel darf es aber eigentlich im Sinne der Selbstlosigkeit gar nicht geben. Die „Erfahrung“ kann deshalb auch nicht herbeigeführt werden – und sei es durch noch so intensives Üben.

Man darf die Erleuchtung nicht suchen, nicht erwarten, nicht erhoffen, man kann sich höchstens von ihr finden und erfassen lassen. Wo diese Erfahrung in einem Menschen stattgefunden hat, da formt und prägt sie Ausdruck und Haltung, bis sie im Leben und Sein des Einzelnen vollkommen integriert und dann in seiner Erscheinung erkennbar ist, insbesondere für einen anderen Erfahrenen.

Wer sich mit Meditation beschäftigt, wird bald erkennen, dass es ihm eine vollkommen neue Perspektive auf sich und die Welt ermöglicht. Die Einsicht in das eigene Wesen, mit der im Idealfall die Einsicht ins Wesen aller Dinge verbunden ist, das ist es, was Meditation auch für viele Menschen hier im Westen so attraktiv und wertvoll macht, auch wenn sie nur bestimmte Bereiche in ihren Alltag integrieren können.

Das Geheimnis des Zen liegt in der Praxis der Meditation: In einer Haltung tiefer Konzentration einfach nur sitzen, ohne Ziel und ohne Streben nach Erleuchtung. Die Meditation führt nicht in die Isolation, sondern wirkt sich positiv auf Körper und Geist aus. Denn sie führt beide zurück zu ihrem ursprünglichen Zustand. Das ist der Weg zu unserer wahren Natur.