Zen-Impuls der Woche

09. Woche 2020

MEDITATION MACHT FREI

Meditation kann dich von deinen Gedanken an Vergangenheit und Zukunft befreien. In dieser friedlichen Stille, in der auch die Zeit stillsteht, spürst du absolute „Geistesgegenwart“. Wenn du dann auch noch dein Beobachten und Bewerten aufgibst und die Realität um dich herum vergisst, wirst du vollkommene Freude und Liebe erleben. – Und was passiert, wenn du wieder in den Alltag zurückkehrst? Vergiss auch diesen Gedanken und sieh was geschieht! Vielleicht spürst du einen geistigen Wandel, der dir zu neuen Erkenntnissen und mehr Lebensfreude verhilft.

 

08. Woche 2020

ETHIK GEHÖRT ZUM ZEN

Spirituelle Praxis und ethisches Verhalten sind grundlegende Voraussetzungen für unsere Weiterentwicklung. Beides ist notwendig, um eine Balance zu finden zwischen spirituellen Werten auf der einen und dem modernen Leben auf der anderen Seite. Die Motive für ethisches Verhalten können wir aus der kosmischen Ordnung, aus der gesellschaftlichen Notwendigkeit, aus der Liebe zu allem Lebendigen, zum Leben überhaupt und aus der Einsicht gewinnen, dass alles mit allem zusammenhängt.

 

07. Woche 2020

 

06. Woche 2020

LEIDEN ALLEIN BRINGT NICHTS

Um seine Begierden zu bekämpfen und endlich erleuchtet zu werden, hat ein Mönch im Laufe seines Lebens auf alle Vergnügungen verzichtet. Selbst das Zölibat und regelmäßiges Kasteien sowie wochenlanges Fasten haben nichts gebracht. Jetzt am Ende seiner Tage suchte er ganz verzweifelt einen Einsiedler auf und klagte: „Ich habe alles getan, was von mir verlangt wurde, jede Gier, jede Freude, jedes Verlangen aufgegeben, aber die Erleuchtung nicht erreicht. Was kann ich jetzt noch tun?“ Der Weise erwiderte: „Gib endlich dein Leiden auf!“

 

05. Woche 2020

LEBEN OHNE ZU „KLEBEN“

Überzogene Wünsche und Begierden führen fast immer zu Kummer und Sorgen. Begehren muss aber nicht die Quelle für menschliches Leid sein. Im Gegenteil: Es kann auch die Ursache für Glück und Zufriedenheit sein. Wo wären wir heute ohne Forscherdrang und Entdeckergeist, ohne Streben nach Eigentum und Sicherheit? Begehren und Sehnen sind ganz natürliche menschliche Bedürfnisse und gehören zum Leben wie Hunger und Durst. – Nicht besitzen wollen, hat in Asien eine andere Bedeutung als bei uns. Es heißt nicht, auf alles zu verzichten, sondern sich frei zu machen von der Idee, dass man überhaupt etwas real besitzen kann. Mit anderen Worten: Begehren, ohne anzuhaften, macht frei!

 

04. Woche 2020

ZUM SCHWEIGEN BRINGEN

Sobald wir die Tätigkeit dieses rastlosen Intellektes zum Schweigen bringen können, geben wir dem intuitiven Bewusstsein, dem reinen, allverbundenen Geiste in uns, Gelegenheit, sich zu manifestieren.  –  Lama Anagarika Govinda

 

03. Woche 2020

ES IST HÖCHSTE ZEIT!

Nichts kehrt sich in sein Gegenteil, ehe nicht das Äußerste erreicht ist, prophezeit eine chinesische Weisheit. Das würde bedeuten, dass die drohende Klimakatastrophe kaum noch zu stoppen ist. Dabei fehlt es durchaus nicht an warnenden Expertisen, sondern liegt vor allem am politischen Willen sowie am Egoismus großer Teile der Gesellschaft. Es ist höchste Zeit, die Abhängigkeit des Menschen von Umwelt und Natur zu erkennen, um den ökologischen Kollaps der Erde durch ambitionierte Gegenmaßnahmen zu verhindern.

 

02. Woche 2020

SIND WIR NOCH ZU RETTEN?

Armut, Hunger, Gewalt und Grausamkeit auf der einen Seite. Und gleichzeitig die Gier nach Macht, Reichtum, Sicherheit und Sinneslust auf der anderen. Wenn man sich dann unsere Gesellschaft vorstellt mit ihrem Überfluss, ihrer Luxuswerbung und dem Verharmlosen von Klimakrise und Flüchtlingselend, muss auch dem Letzten klar werden, dass wir uns fundamental in die falsche Richtung bewegen. Da fallen einem nur noch die sarkastischen Worte ein: „Es gibt kein größeres Leid als das, was sich der Mensch selbst andeit.“ Sind wir noch zu retten?

 

53. Woche 2019 / 01. Woche 2020

ACHTSAM DURCH DEN ALLTAG

Vielleicht trinkst du täglich Tee zum Frühstück. Aber eines Morgens ist alles anders. Du schenkst dir Tee ein, führst die Schale zum Mund und plötzlich wird dir klar: Noch nie hat der Tee so intensiv geduftet und der erste Schluck so köstlich geschmeckt. Hellwach spürst du, wie der Tee in deinem Mund zu einem Teil von dir wird. So bewusst hast du das Teetrinken bisher niemals wahrgenommen. Durch dein achtsames Tun verschwindet die Außenwelt und öffnet sich das innere Bewusstsein für eine solche Erfahrung. Indem wir Achtsamkeit im Alltag praktizieren, erleben wir die Wirklichkeit mit allen Sinnen.

 

52. Woche

KOMM IN STILLE ZU DIR

Voller Leben, voller Bewusstsein, voll von einer unbeschreiblichen Sensibilität bist du zur Welt gekommen. Schau mal einem kleinen Kind in die Augen und nimm diese Frische wahr. All das wird im Lauf des Lebens bei den meisten Menschen von einer falschen Persönlichkeit zugedeckt. Wenn du das wieder loswerden möchtest, was dein wahres Wesen verschleiert, brauchst du nur in Stille zu dir zu kommen. Durch Meditation wirst du dann allmählich eine echte Lebendigkeit und geistige Gesundheit verspüren, die wieder aufblüht und Früchte trägt, weil sie in dir wurzelt.

 

51. Woche

EHRGEIZ MACHT BLIND

Will ein Bogenschütze einen Preis gewinnen, wird er unruhig. Schießt er gar um einen Goldpokal, trübt sich sein Blick und er gerät außer Fassung. Sein Können ist ihm nicht verloren gegangen, doch der Ehrgeiz macht ihn blind. Nicht das Ziel selbst bereitet Probleme, sondern der Grad der Anhaftung, mit der es verfolgt wird. Erst wenn der Bogenschütze schießt, ohne an den Erfolg zu denken, kann er seine ganze Kunst entfalten, hat der chinesische Philosoph Tranxu erkannt.

 

50. Woche

SCHÖN SCHLICHT, ABER . . .

Es mag einen gewissen Reiz haben, fernöstliche Riten, Roben und Räucherwerk bei der Meditation zu erleben, aber das alles hat Buddha so nicht gewollt. Im Gegenteil, er betonte die Nutzlosigkeit religiöser und ritueller Übungen. Nur äußerliche Erfüllung von Geboten war auch Jesus zuwider. Für den Zen-Weg und die Meditation braucht man nichts Äußeres. Deshalb achten wir darauf, dass die Form nicht zum Selbstzweck wird. Natürlich kann der äußere Rahmen auch „schön schlicht“ sein, aber auf die innere Einstellung kommt es an.

 

49. Woche

WAS WIRKLICH ZÄHLT

Wirst du unruhig, wenn du mal alleine bist? Brauchst du ständig Zerstreuung durch Radio, TV, Smartphone oder PC? Lass dich nicht aus der Ruhe bringen, wenn mal keine Netzverbindung besteht. Denn das, was du an Unterhaltung vermisst, hat sowieso keinen bleibenden Wert. Es ist sinnlos, daran festzuhalten. Es gehört nicht dir. Das bist du nicht. Wenn das Vergängliche und Unwesentliche nicht länger das Zeitlose und Echte in dir verdeckt, kommt das ans Licht, was wirklich zählt: Deine wahre Natur.

 

48. Woche

WARUM SO UNZUFRIEDEN?

Hast du oft das Gefühl, dass das, was du tust oder erreichst, nicht gut genug ist? Ständige Unzufriedenheit kann unser ganzes Dasein vergiften. Heilung für dieses Problem ist aber durchaus möglich: Wir müssen nur erkennen, dass wir das Leben nicht so wahrnehmen, wie es wirklich ist. Wenn es gelingt, unsere selbstbezogene Perspektive abzulegen, brauchen wir weder den Vergleich mit anderen noch unsere eigene Unzulänglichkeit zu fürchten. Dann können wir unser Leben – zwar weniger perfekt, aber glücklicher – zum Wohl der Welt leben.

 

47. Woche

EINE SCHALE, EIN GEWAND

Mein Leben mag traurig erscheinen,
aber auf der Reise durch diese Welt
habe ich mich dem Himmel anvertraut.
In meinem Rucksack drei Pfund Reis;
beim Herd ein Bündel Feuerholz.
Wenn jemand nach den Kennzeichen
von Erleuchtung oder Illusion fragt,
ich kann es nicht sagen –
Wohlstand und Ehre sind bloß Staub.
Wie der Abendregen fällt,
sitze ich in meiner Einsiedelei
und strecke beide Füße aus als Antwort.

Zen-Gedicht von Meister Ryôkan, der vor
rund 200 Jahren als Eremit in Japan lebte.

 

46. Woche

NUR WANDEL OHNE ENDE

Vergänglichkeit ist längst passé. Es gibt nur Wandel – von einer Energieform in die andere. Im Universum geht nichts verloren. Alles ist letztendlich nur Weiterführung. Die Wolke vergeht nicht, sondern verwandelt sich irgendwann in Regen. Aus Regen entsteht die Wasserader und die Fortsetzung der Wasserader ist die Quelle. Aus der Quelle wird ein Bach, dann ein Fluss, der schliesslich ins Meer mündet. Und die Weiterführung des Meeres ist die Wolke. Wo ist da ein Anfang oder Ende? Kein Entstehen, kein Vergehen – nur Wandel ohne Ende. Nichts bleibt, wie es ist.


45. Woche

VOM EGO ZUM WIR

Beruhigt sich der Atem – beruhigt sich der Körper – beruhigt sich der Geist. Erst wenn dein Geist in der Meditation vollkommen ruhig und klar ist und unerschütterliches Vertrauen dich zur Hingabe bringt, wird sich dir das Geheimnis der Stille enthüllen. Wenn du absolut empfänglich bist, wirst du die wortlose Sprache der Leere verstehen. Dann erkennst du, dass der Zen-Weg, die beschwerliche Reise vom Verstand zum Herzen war, von Logik zu Weisheit, von Gier zu Gleichmut – vom Ego zum Wir.

 

44. Woche

OHNE ZWEIFEL KEIN DURCHBRUCH

Wenn man sich entschieden hat, den Zen-Weg zu gehen, wird man von Zeit zu Zeit von Zweifeln heimgesucht. Diese Art Verunsicherung kann auch eine Energiequelle für unsere Praxis sein; denn vor jedem großen Durchbruch herrscht meist ein großer Zweifel. Aber wenn man ständig alles anzweifelt, sich von allem distanziert und eine spirituelle Weiterentwicklung immer wieder hinauszögert, wäre es vielleicht heilsam und inspirierend, endlich mal an seinem Zweifel zu zweifeln.

 

43. Woche

WARUM SO UNGEDULDIG?

Grenzenlose Geduld ist die Voraussetzung, um höchste Erkenntnis und ihre Verwirklichung zu erlangen. Doch wieviel Geduld kann ein Mensch in unserer heutigen Zeit, in der alles immer noch schneller gehen muss, eigentlich erdulden? Auch das ist alles nur eine Frage der Übung. Willenskraft und Ausdauer lassen sich antrainieren und können uns zu mehr Besonnenheit, Standhaftigkeit, Sanftmut und Weisheit verhelfen. So betrachtet, kann ein geduldiger Mensch auf der Suche nach der Wahrheit eigentlich alles erreichen.

 

42. Woche

GELASSENHEIT UND VERTRAUEN

Wer spürt nicht hin und wieder den Wunsch, das eigene Leben von Grund auf spirituell auszurichten. Dafür ist es nie zu spät, aber auch nie zu früh. Wir brauchen den Weg nur bewusst zu gehen, Schritt für Schritt. Aus diesem tiefen Verlangen erwächst die Kraft, unsere Meditation verbindlich zu praktizieren und zur Entfaltung zu bringen. Wenn wir einmal die Sicherheit in uns gefunden haben, dass wir, was auch immer im Leben geschieht, dem Weg und der Praxis treu bleiben, so verleiht uns das Gelassenheit und Vertrauen.

 

41. Woche

LEBE DEIN LEBEN

Wer ständig unzufrieden ist, hat zwei Möglichkeiten das zu ändern: Es gibt ´ne Menge Leute, die dir sagen möchten, wie du dein Leben leben solltest. Aber sei vorsichtig! Guter Rat muss nicht teuer sein. – Oder: Anstatt dir andauernd zu wünschen, woanders zu sein und etwas anderes zu tun, suchst du die Antwort in dir selbst. Doch mach zuerst das, was jetzt erledigt werden muss. Dann setz dich auf dein Kissen und höre auf dein Herz. Alles andere ist überflüssig.

 

 

40. Woche

ÜBUNG MACHT DEN MEISTER

Nur im zeitlosen Augenblick können wir uns jenem intuitiven, stillen Erkennen der Wahrheit nähern. Wenn wir den Geist beruhigt und gesammelt haben, wird uns vieles klarer. Wir durchschauen das Entstehen und Vergehen – und auch, wie wir uns dazu verhalten. Wir finden heraus, was unser Herz verschließt und wie wir es öffnen können. Dieser Weg – die Einsichts-Meditation – ist zwar einfach, aber keineswegs leicht. Doch: Übung macht den Meister!

 

39. Woche

FREI DURCH SANFTE DISZIPLIN

Solange du von Wünschen und Gefühlen beherrscht wirst, fällt es dir schwer, einen klaren Kopf zu bewahren. Eine der großen Kräfte und Stärken des Geistes, die wir als Gegengewicht zu den Begierden nutzen können, ist die Selbsteinschränkung. Wenn du diesen Weg einschlägst, wirst du die enge Beziehung von Selbsteinschränkung und Freiheit erkennen und dich schließlich auf „eine sanfte Art von Disziplin“ selbst befreien.

 

38. Woche

GIB NIEMALS AUF

Möglicherweise hast du im Moment das Gefühl, dass dein Zen keine Fortschritte macht und überhaupt . . .  Gib bloß nicht auf – niemals. Alles, was deinen Weg blockiert, ist vielleicht nur die Idee, stecken zu bleiben. Lass diese Vorstellung los, praktiziere weiter und du wirst sehen, die Hindernisse lösen sich in Luft auf und du kannst ungehindert weitermachen. Meistens folgen auf große Zweifel ebenso große Fortschritte.

 

37. Woche

DAS GEHEIMNIS DES ZAZEN

Zazen ist natürlich und einfach,
wie jede alltägliche Handlung
(essen, trinken, wach sein, schlafen, …).
Ohne Anstrengung. Bewusst. Absichtslos.
Einfach nur sitzen. Einfach nur sein.

von Britta Averbrock

 

36. Woche

SEI DAS MEER

Einatmen, Ausatmen
Ebbe, Flut
Sonne, Mond
Tag, Nacht

Mehr ist es nicht.
Sei die Welle!
Sei das Meer!                       von Britta Averbrock

 

35. Woche

BLEIB AUTHENTISCH

Es ist nicht Ok, wenn du dir Mühe gibst, nett und tugendhaft zu sein, ohne dass du dich wirklich so fühlst. Die Welt hat genug Heuchler. Bleibe authentisch, Zen wird auf dich aufpassen. Folge nur deinem Atem. Beobachte, wie dein Bauch sich hebt und senkt. Zu einfach? Aber das ist das Geheimnis!

 

34. Woche

MACH KLAR SCHIFF

Wenn dein Kopf voller Wünsche und Vorstellungen ist, hast du keinen Durchblick. Zen erscheint dir dann viel zu verwirrend. Aber das ist nicht so., Wir sind es nur nicht gewohnt, mit solcher Einfachheit umzugehen. Also räum deinen Geist auf, mach „klar Schiff“!

 

33. Woche

BRING LEBEN IN DIE BUDE

Wenn dein Heim dein ganzer Stolz ist, dein wichtigster Besitz, lass es nicht zu deinem Gefängnis werden. Stelle dir vor, es wäre nur eine Herberge, in der du zufällig Tag für Tag wohnst und wo sich hin und wieder Freunde und auch Fremde begegnen. Bring Leben in die Bude!

 

Warum eine Sangha?

Wenn wir ernsthaft Meditation üben, merken wir mit der Zeit, dass wir uns auf eine Reise begeben haben, die viel Freude und Zufriedenheit, aber auch allerlei Schwierigkeiten mit sich bringen kann.

Unsere Inspiration unterliegt starken Schwankungen. Wir werden unseren oft sehr hoch gesteckten Idealen nicht gerecht, sehen immer klarer, wie sehr unser Leben durch oftmals wenig hilfreiche Gewohnheiten bestimmt wird. Und mit unserer Fähigkeit uns zu sammeln und dem Wunsch, immer öfter tiefe Einsichten in die Natur der Dinge zu erlangen, klappt es auch nicht so, wie vielleicht anfangs mal erhofft.

Schließlich müssen wir zugeben: Ohne Unterstützung kommen wir auf unserem Weg nicht weiter. Selbstverständlich können wir die von einem spirituellen Lehrer oder Meister erwarten. Doch der ist selten zur Stelle. Und entsprechende Seminare kosten Zeit und Geld.

Beistand kann aber auch in Form von Ratschlägen aus einer Sangha erfolgen. Das ist eine spirituelle Gemeinschaft, die sich im Laufe der Zeit von Menschen gebildet hat, die verbindlich einen spirituellen Weg mit anderen zusammen gehen und die dabei erlebten Freuden und Schwierigkeiten miteinander teilen wollen. Jede Gruppe von Menschen kann als Sangha praktizieren, als eine Gemeinschaft, die entschlossen ist, in Harmonie und Bewusstheit zu leben. Alles, was dafür nötig ist, ist, gemeinsam in Richtung Frieden, Freude und Freiheit zu gehen.

Hier finden wir vielleicht Menschen, die sich in unsere Situation versetzen können und die uns helfen, unsere Meditationspraxis zu verbessern oder die spirituellen Prinzipien in unserem Leben zu üben. Auf jeden Fall gibt es dort jemanden, der uns zuhört und ein wenig emotional unterstützt, der uns hilft, die Quelle unserer Inspiration wieder zu finden oder einen Tipp gibt, wie ein zwischenmenschlicher Konflikt gelöst werden kann.

Auch spirituelle Gemeinschaften bestehen meistens aus ganz normalen Leuten mit guten und weniger guten Eigenschaften. Neben all dem Guten und Inspirierenden begegnet man auch Schwächen, unachtsamem Verhalten und Problemen aller Art – kurz gesagt, dem Leben wie es jeder kennt. Gemeinsam profitieren wir von unseren Stärken und lernen von unseren Schwächen.

Eine Sangha ist durch die Praxis der Achtsamkeit, Konzentration und Einsicht verbunden und eröffnet daher nahezu unerschöpfliche Möglichkeiten, liebevolle Güte und Einfühlungsvermögen zu kultivieren und im Umgang mit anderen zu praktizieren. Eine Sangha ist so etwas wie eine spirituelle Familie, ein lebender Organismus. Sie ist kein Verein, dem man einfach beitreten kann.

Unsere Lotos Sangha ist eine recht ‚bunte’ Gemeinschaft, deren Mitglieder oft auch LehrerInnen in anderen buddhistischen / spirituellen Traditionen hatten oder noch haben. Wir haben keine formelle Leitung, doch einen klaren Ablauf unserer gemeinsamen Achtsamkeitspraxis. Die Meditationsabende beginnen mit einer Tee-Zeremonie, es folgen die Herz-Sutra-Rezitation, ein Vortrag zur Zen-Praxis oder Lebensführung, (geführte) Sitz-, Geh- und Sitzmeditation. Zum Abschluss pflegen wir einen  Gedankenaustausch beim Tee.

Da viele die gemeinsame Praxis insbesondere auch zur Stärkung ihrer individuellen Praxis nutzen, richten sich die Themen, mit denen wir uns befassen, auch sehr nach dem, was uns gerade in unserem Leben beschäftigt – von sehr Persönlichem bis hin zu Ereignissen in unserer Welt.

Unsere Gespräche stellen damit auch eine fortgesetzte Erkundung dessen dar, was es bedeutet, an unserem Platz in dieser Welt ein Leben in Achtsamkeit zu leben – wozu uns die sieben Achtsamkeitsübungen (s. unter Zen-Ethik „Was uns verbindet“) immer wieder eine ethische Richtlinie sind.

Sangha bedeutet auch ein besonderes Kraftfeld. Wir aktivieren diese Sangha-Energie durch das gemeinsame Meditieren, aber auch durch gemeinsame Unternehmungen (Vortragsabende mit gemütlichem Beisammensein, Zen-Wanderungen, Garten-Zen und Tage der Achtsamkeit) und durch gemeinsamen Spaß.

Wichtig für uns alle ist es auch, sich immer wieder folgende Frage zu stellen: „Was kann ich geben?“ Würde man, wie es häufig in unserer Welt geschieht, die Frage „Was kann ich bekommen?“ voranstellen, wären wir weit von einer positiven Entwicklung entfernt.

Die produktive und befreiende Frage nach dem eigenen Einsatz setzt freudvolle Energie frei. Die entspannte, absichtslose Aktivität macht uns zugleich offen und der natürliche Ausgleich von Geben und Nehmen im Geist und der Welt führt immer wieder dazu, dass wir mit Glück und Freude beschenkt werden.

Denn uneigennützige Arbeit für andere führt zum Aufbau sehr guter Eindrücke im eigenen Geist: Es ist das „Verdienst“, von dem Buddha im Zusammenhang mit positiven Handlungen spricht. Zugleich bedeutet es den Aufbau von Weisheit, weil wir in der völligen Konzentration auf die Arbeit und dem Verständnis, dass wir von den anderen letztlich nicht getrennt sind, Raum immer weniger als Trennung und immer mehr als etwas Verbindendes begreifen.

 

 

Die große Erfahrung

Die Wurzeln der Meditation reichen 2.500 Jahre zurück bis zum historischen Buddha in Indien. Sein Leben zeigt als ältestes Vorbild der Menschheitsgeschichte, wie man aus eigener Kraft zu Erleuchtung und Vollkommenheit gelangen kann. Buddha war auch der erste, der die ursprüngliche Meditationsform aus ihrer asketischen Einengung der Weltabkehr befreite und in eine praktische Übung für jeden zur Bewältigung seiner Lebensaufgabe umwandelte.

Die Meditation dient zur Vorbereitung dieser „Großen Erfahrung“, jener mystischen Wirklichkeit von Erleuchtung bzw. Wesensschau, die gemeinhin als Ziel der Meditationsübung angesehen wird. Ein solches Ziel darf es aber eigentlich im Sinne der Selbstlosigkeit gar nicht geben. Die „Erfahrung“ kann deshalb auch nicht herbeigeführt werden – und sei es durch noch so intensives Üben.

Man darf die Erleuchtung nicht suchen, nicht erwarten, nicht erhoffen, man kann sich höchstens von ihr finden und erfassen lassen. Wo diese Erfahrung in einem Menschen stattgefunden hat, da formt und prägt sie Ausdruck und Haltung, bis sie im Leben und Sein des Einzelnen vollkommen integriert und dann in seiner Erscheinung erkennbar ist, insbesondere für einen anderen Erfahrenen.

Wer sich mit Meditation beschäftigt, wird bald erkennen, dass es ihm eine vollkommen neue Perspektive auf sich und die Welt ermöglicht. Die Einsicht in das eigene Wesen, mit der im Idealfall die Einsicht ins Wesen aller Dinge verbunden ist, das ist es, was Meditation auch für viele Menschen hier im Westen so attraktiv und wertvoll macht, auch wenn sie nur bestimmte Bereiche in ihren Alltag integrieren können.

Das Geheimnis des Zen liegt in der Praxis der Meditation: In einer Haltung tiefer Konzentration einfach nur sitzen, ohne Ziel und ohne Streben nach Erleuchtung. Die Meditation führt nicht in die Isolation, sondern wirkt sich positiv auf Körper und Geist aus. Denn sie führt beide zurück zu ihrem ursprünglichen Zustand. Das ist der Weg zu unserer wahren Natur.